Herz-Jesu-Kirche

Ein Schmuckstück von schlichter Schönheit und ansprechenden Details erwartet den Besucher unserer Herz-Jesu-Kirche. Das 1915 geweihte Gotteshaus erstrahlt seit 2015 in neuem Glanz.
    
Bei der Renovation 2014/15 wurde eine neue Akustikanlage installiert, die Beleuchtung komplett erneuert, die Bänke mit neuen Sitzpolstern belegt. Zahlreiche Risse im Deckengewölbe wurden verschlossen, Wände gereinigt und in einem warmen Farbton gestrichen, Ornamente hat man in Anlehnung ans Original nachgebildet.
 
Die geräumige Kirche lädt zu festlichen Gottesdiensten mit vielen Mitfeiernden ebenso ein wie zum stillen persönlichen Gebet.

Die Kirche heute:
       

 

Kirchenbau

Herz-Jesu Kirche - BauplanHerz-Jesu Kirche - Bauplan
Herz-Jesu Kirche - Bauplan

 Die Kapellen von Obertsrot und Hilpertsau waren in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts beide baufällig und viel zu klein. In den Folgejahren gab es erste Bemühungen zum Neubau der Obertsroter Kapelle, jedoch gab es finanzielle Schwierigkeiten uns des weiteren konnten sie die beiden gemeinden Obertsrot und Hilpertsau nicht mit dem Gedanken eines gemeinsamen Gotteshauses anfreunden, was der damalige Gernsbacher Stadtpfarrer Zimmermann ebenso befürwortete. Er schrieb am 17. Dezember 1896 an den Oberstiftungsrat: "Die wäre für jedermann einsichtbar das Vernünftigste, aber in den Gemeinden, die nur fünf Minuten auseinander liegen, herrscht allgemein Abneigung gegen diese Zumutung." Nichtsdestotrotz wurden bis zum 7. Januar 1897 zwei Bauvarianten erarbeitet. Plan I sah ein Kirchenneubau oberhalb des ehemaligen Schul- und später Postgebäudes vor, der Eingang von der Bergseite her. Plan II sah einen Kirchenneubau direkt neben dem Schul-/ Postgebäude an der heutigen Obertsroter Straße mit ebenfalls bergseitigem Eingang und Turm zur Straße hin vor.
 

Nach dem Abschluss eines Rechtsstreits zwischen Kirche und politischer Gemeinde über die Finanzierung konnten die Planungen weiter vorangetrieben werden. Der vom kirchlichen Bauamt ausgearbeitete Plan I sah ein Gebäude mit 500 Sitzplätzen vor, also für die Gemeinde Obertsrot alleine, welches 200.000 Mark kosten sollte. Plan II sah ein Geba¨ude mit 800 Sitzplätzen vor, das dann für beide Gemeinden Obertsrot und Hilpertsau reichen sollte. Dieses wurde mit 227.000 Mark veranschlagt. Da eine Kapelle für Hilpertsau noch einmal 70.000 Mark gekostet hätte, schlug das Bauamt eine gemeinsame Einrichtung vor.
Dies ging einher mit der Idee, beide Kirchengemeinden zusammenzulegen. Am 25. Juni 1910 trafen sich die Gemeinderäte mit dem Oberstiftungsrat, dem Oberbauinspektor, dem Architekt und dem Pfarrverweser zu einer Lagebesprechung. Folgende Grundsätze wurden festgelegt:

  1. "Die beiden Gemeinden Obertsrot und Hilpertsau sollen zu einer selbständigen Kirchengemeinde vereinigt werden. Dabei soll zunächst die Frage offen bleiben, ob nur eine Filialgemeinde gegründet werden oder eine völlige Lostrennung von der bisherigen Pfarrgemeinde Gernsbach unter Einrichtung einer neuen Pfarrei stattfinden soll. (...)"
  2. "Die geschäftliche Unternehmerin des Kirchenbaus soll die künftige Kirchengemeinde Obertsrot-Hilpertsau sein. Dagegen soll die neue Kirche grundbuchmäßig Eigentum des künftigen Kirchenfonds Obertsrot-Hilpertsau werden, da sie im wesentlichen aus dem Ablösekapital erstellt werden soll. (...)"
  3. (...)
  4. "Die neue Kirche soll nicht wie vorgesehen gewölbt werden, sondern eine Holzdecke erhalten, wodurch die Baukosten ermäßigt werden auf rund 200.000 Mark."
  5. "Die Neubaukosten sollen wie folgt gedeckt werden: a) durch das Ablösekapital, b) den Beitrag des Heiligenfonds Forbach mit vorläufig 8.000 Mark (eventuell gleiches aus dem Hilpertsauer Fonds), c) durch einen einmaligen Beitrag der Gemeinde Hilpertsau von 33.000 Mark, wobei der Bürgerausschuss Verzinsung und Abtragung streichen würde, d) den fehlenden Rest unter Erhebung einer Ortskirchensteuer."
  6. "Wird vom Ordinariat die Errichtung einer selbständigen Pfarrei angestrebt, so wird um die Gewährung der hierzu nötigen Mittel für Pfarrgehalt und Pfarrhausbau nachgesucht."
 
Vereinbart wurde eine Ablösesumme der Gemeinde von 127.000 Mark,die durch einen außerordentlichen Holzhieb finanziert werden sollte. Angedacht wurden verschiedene Baustile, jedoch waren der Barockstil mit einer Putzfassade sowie der gotische Stil zu teuer und es blieb nur eine schlichte Ausführung im romantischen Stil, welche auch beiden Bürgergremien Gefallen fand. Hierbei wurde vom Architekt errechnet, dass ein Steingewölbe nicht wesentlich teurer käme als eine Holzdecke, jedoch aber Vorteile bei der Wärmedurchlässigkeit habe. Außerdem verzichtete man auf eine Bemalung des Gewölbes.
Es mussten nun noch mehrere Grundstücke dazugekauft werden, um genug Platz für die gemeinsame Kirche zu haben. Inzwischen hatte man sich auch entschlossen, das Kirchenportal zur Talseite hin zu drehen, weshalb auch ein Teil des Holzplatzes des Fabrikants Weber erworben werden musste.
Zum 1. Januar 1911 erhielt man vom Großherzog die Baugenehmigung für die neue Kirche. Nach abschließenden Beratungen wurde der Bau einer romantischen Kirche mit Rundbogen und dreischiffigem Gewölbe beschlossen und am 7. März 1912 vom Erzbischöflichen Ordinariat genehmigt. Die veranschlagten Kosten beliefen sich auf 215.000 Mark für den Rohbau und 20.000 Mark für den Innenbau.
Im Frühjahr 1912 begann der Aushub der Baugrube, der sich über ein halbes Jahr hinzog, sowie das Betonieren des Fundaments. Die Grundsteinlegung erfolgte am Himmelfahrtstag 1913, wonach der Bau bis zum Herbst hochgezogen wurde. Gebaut wurde mit weißgelbem Murgtäler Sandstein aus der Michelbacher Gegend.
Am 12. November 1913 ereignete sich ein tragischer Unfall. Nachdem eines der inneren Gewölbe zu früh ausgeschalt worden war, stürzte es ein. Zwei Arbeiter starben und mehrere wurden verletzt. Trotzdem ging der Bau unvermindert weiter.
Der Bau eines Pfarrhauses wurde am 26. Oktober 1913 und die Anschaffung von Glocken mit den Tönen e, fis, gis und h am 30. April 1914 beschlossen. Ebenso wurde der Orgelbau genehmigt.
Durch den Beginn des ersten Weltkrieges wurde der Bau erheblich verzögert. Bis August 1915 war die Kirche dann aber bezugsfertig und wurde am 29. August feierlich eingeweiht. In den Folgejahren gab es immer wieder Veränderungen am Bauwerk. So wurden 1922 schon neue Glocken gebraucht, da sie alten dem Krieg zu Opfer gefallen waren. Diese hatten die Töne es, g, b und c. Außerdem gab es 1927 eine neue Orgel, die Kirche wurde elektrifiziert und beleuchtet. Finanziert wurde all das von der Kirchengemeinde.

Außenrenovierung

Herz-Jesu Kirche AußenrenovationHerz-Jesu Kirche Außenrenovation
Herz-Jesu Kirche Außenrenovation

 Schon bald wurden Verwitterungsschäden am verwandten Gestein festgestellt. Es gab Bau- und Konstruktionsfehler an den Treppen und an der Bauweise der Wände. 1956 wurde die ersten Arbeiten zur Außenrenovierung durchgeführt: eine Ausbesserung des Daches sowie die Erneuerung der Freitreppen.
Die zweite große Renovierungsaktion wurde 1964-1965 durchgeführt indem das Mauerwerk ausgebessert wurde. Außerdem musste erneut das Dach ausgebessert werden und die Kirchturmuhr wurde restauriert.
Schon 1967 mussten erneut Dacharbeiten durchgeführt werden, da ein Sturm Teile des Daches abgedeckt hatte.
   

Von 1987 bis 1989 wurde das Dach komplett erneuert, erneut mussten viele Schadhafte Steine ausgetauscht werden, Turmuhr und Turmkreuz wurden restauriert. Auch der Glockenstuhl war sanierungsbedürftig. Hier wurden die alten Betonauflager durch Eichenbalken ersetzt. Das große Bild über dem Haupteingang, das die Verklärung Christi zeigt, wurde gereinigt und restauriert. Eine neue Blitzschutzanlage wurde installiert. So konnten viele kleinere Arbeiten, die in den kommenden Jahren notwendig geworden wären, gemeinsam und unkompliziert mit einem Gesrüstaufbau erledigt werden. Die Gesamtkosten für diese Renovierung beliefen sich auf 837.300 DM.
Mit über 400 Arbeitsstunden beteiligten sich der Pfarrgemeinderat, die Pfarrjugend und Gemeindemitglieder an der Renovierung, in dem sie unter anderem die Türen restaurierten sowie die Schuttabräumarbeiten übernahmen.

Innenrenovierung

Herz-Jesu Kirche - InnenrenovierungHerz-Jesu Kirche - Innenrenovierung
Herz-Jesu Kirche - Innenrenovierung

 Bereits 20 Jahre nach dem Kirchenbau wurde die erste Innenrenovierung fälig. So wurden 1936 Putz und Gemäuer ausgebessert und einige Malerarbeiten durchgeführt.
An Pfingsten 1963 wurde die neue Orgel eingeweiht, nachdem die alte Orgel 1962 ihren Dienst versagt hatte.
Die Ausgestaltung des Chorraumes wurde unter mehreren Künstlern ausgeschrieben. Die Untersuchung der Mauerrisse ergab keine besorgniserregenden Schäden. Der Aushub des Kirchenschiffes wurde durch Mitglieder der Pfarrgemeinde in mehrwöchiger Arbeit durchgeführt.
Nach Ende der Ausschreibung entschied man sich für eine Variante mit Altar, Taufstein, Ambo und Tabernakel aus Rot-Lava sowie Kreuz, Madonna und Relief in Bronzeguss.
 

Die Gemälde wurden abgekratzt und die Kirche wurde einheitlich hell gestrichen. Die Arbeiten verzögerten sich, sodass die Kirche nicht wie geplant zu Ostern 1972 bezugsfertig war. Im Laufe des Sommers wurden dann nach und nach die einzelnen Arbeiten fertig gestellt bis schließlich im Dezember das neue Gestühl aufgestellt wurde.
Ab Weihnachten konnte der Gottesdienst wieder in der Kirche gefeiert werden. Ausweichplätze waren bislang die Hilpertsauer Turmhalle und die Kindergärten.
Die Kosten beliefen sich auf insgesamt rund 600.000 DM. Mit dem Herz-Jesu-Fest 1973 wurde dann der endgültige Abschluss der Innenrenovation gefeiert und der neue Altar wurde bei der Firmung am 7. Oktober 1975 durch den damaligen Weihbischof Oskar Seier, später Erzbischof, geweiht.
 
Bei der Renovation 2014/15 wurde eine neue Akustikanlage installiert, die Beleuchtung komplett erneuert, die Bänke mit neuen Sitzpolstern belegt. Zahlreiche Risse im Deckengewölbe wurden verschlossen, Wände gereinigt und in einem warmen Farbton gestrichen, Ornamente hat man in Anlehnung ans Original nachgebildet.