Mariä Heimsuchung
Der Bau der Lautenbacher Kirche von 1961 – 1963 ist auf das große Engagement der lebendigen Pfarrgemeinde, die mit großem Zusammenhalt das Vorhaben tatkräftig unterstützte, sowie die aktiven Förderung des damaligen Stadtpfarrers Ernst Bernauer zurückzuführen.
Ganz im Stile des damaligen Zeitgeistes wurde die Kirche konzipiert. Die damals beliebte Grundrissform, einen großen Kirchenraum zu schaffen, wurde auch in Lautenbach umgesetzt.
„Die Kirche ist als Gemeinschaftsraum vom Inneren heraus als Einheit von Schiff und Chor geplant. Keine Säulen und keine Einbauten sollten diese Einheit stören", betonte der Architekt Franz Fuchs in der Festschrift zur Einweihung der Kirche. Alles sollte hinlenken auf den Altar. Keine Fenster sollten die Geschlossenheit des Chorraums durchbrechen und die Konzentration des Beters auf den Altar hin unterstützen.
Zwischen den beiden Eingängen steht das Taufbecken, umrahmt von acht Glasbetonbändern.
Die Glasbetonbänder setzen sich nach oben durch drei Lichtbänder fort, die die göttliche Dreifaltigkeit symbolisierend.
Das frei an der Chorwand aufgehängte Kreuz aus Keramik und Natursteinen ist ebenso wie die Fenster von Otto Stolzer aus Karlsruhe entworfen.
Wie kam es zum Bau der Kirche?
Über viele Jahre hinweg wuchs die Unzufriedenheit über die zu kleine und renovierungsbedürftige Kirche im Ort. Schließlich war es 1960 soweit: unter regem Zuspruch der Lautenbacher förderte der damalige Stadtpfarrer von Gernsbach den Neubau einer Kirche. Wo die "Neue" stehen sollte, war neben der Finanzierung eine der schwierigsten Fragen. Etliche Lautenbacher hätten die Kirche gern im Dorf gelassen.
Der erste Spatentisch wurde am 20. September 1961 gemacht. Zuvor aber waren viele Vorbereitungen zu treffen gewesen: die Kirchenbehörde musste überzeugt werden, Grundstückstausch-Verhandlungen mit der Gemeinde und über 20 Grundstückseigentümern mussten geführt werden, um den ausgesuchten Platz zu erhalten. Zahlreiche Schenkungen halfen, die Grundstückskosten niedrig zu halten. Weitere Vorarbeiten wurden in Eigenleistung erbracht: u.a. die Zuleitung der Wasserleitung von der Straße bis zur Kirche oder das Ausheben der Fundamente.
Die Baukosten waren auf 450.000 DM veranschlagt worden. Zur Finanzierung trug auch die politische Gemeinde Lautenbach bei; sie wollte 10 Jahre lang je 10.000 DM beisteuern. Hinzu kamen Grundstücksschenkungen Privater und die Erlöse etlicher Feste.
Die Glocken
Unter den vier Glocken findet sich auch die Glocke von der alten Kirche. Diese wurde am 16.11.1953 von der Glockengießerei Schilling in Heidelberg gegossen. Dabei wurde das Material ihrer Vorgängerin mitverwendet. Diese war 1704 in Mainz gegossen worden und kam Anfang des 19. Jahrhunderts nach Lautenbach. An Ostern 1953 erlitt sie einen irreparablen Riss. Die damalige Glockenweihe erfolgte am 1. Adventssonntag 1953 durch Stadtpfarrer Bernauer unter Assistenz der Kapläne Erwin Kaufeins und Bruno Wittenauer, der eine eindringliche Predigt hielt. Die drei neuen Glocken stammen aus der Glockengießerei in Karlsruhe.
Gemeinderaum
Unter anderem der Kolpingsfamilie Lautenbach ist es zu verdanken, dass die neue Kirche talseitig "unterkellert" wurde und so ein Jugendraum eingerichtet werden konnte. Hier probt auch der Kirchenchor und zu anderen gemeindezwecken wird dieser Raum verwendet.
Volksfest zur Einweihung
Auch der Erlös des Volksfestes mit dem Umzug "Alt Lautenbach" Ende Mai 1963 half zur Finanzierung der Baukosten der Kirche.. Dieses Fest wurde vor allem vom damaligen Kaplan Alban Meier auf dem damals ebenfalls neuen Festplatz in Lautenbach organisiert. Bei diesem Fest hat übrigens ein gewisser Magier mit Namen "Francesco Altini", bürgerlich Franz Alt und bekannter TV-Journalist, mit seinen Zaubervorführungen begeistert.
Einweihung
Am 2. Juli, dem "Lautenbacher Feiertag", im Jahr 1963, war es dann soweit: Erzbischof Dr. Hermann Schaufele persönlich weihte die neue Kirche "Mariä Heimsuchung" in Lautenbach. Die neue Kirche hat 400 Sitzplätze und steht außerhalb des Dorfkerns, an dem zwischenzeitlich nach dem damaligen Stadtpfarrer Bernauer benannten Weg.
Renovierungen
Bereits zum 40. Jubiläum der Kirche wurden Renovierungen durchgeführt. Die Arbeiten wurden mit einem neuen Asphaltbelag auf dem Platz vor der Kirche abgeschlossen.
Fest zum 40.
Zur Erinnerung an das Volksfest 1963 wurde auch zum 40. Jubiläums ein Fest zur Unterstützung der Renovierung angeregt. Das Jubiläumsfest fand unter reger Beteiligung der örtlichen Vereine am 15.6.2003 statt. Das offizielle kirchliche Jubiläum fand am 2.7.2003 statt.
Die alte Kirche im Oberdorf
Bereits im 18. Jahrhundert hatten die Lautenbacher ein eigenes Kirchlein, bzw. eine Kapelle. Das geht auch aus der Eingabe an den Markgrafen vom 13.2.1722 hervor, mit der die Lautenbacher baten, ein "Capellulein" errichten zu dürfen: "Dieweilen wir schon so lange Jahre verlangt und gewünscht, dass wir wieder eine kleine Kapelle oder kleines Bethäuslein zuwege bringen möchten, weil wir in die Nachmittagskirch nicht kommen können und die Kinder, welche dermalen ohne Zahl in dem Dorfe sind, schon zum Beten zum Gottesdienst angewiesen werden sollen…"
Daraufhin haben wohl die weltlichen, nicht aber die geistlichen Herren eingelenkt, denn obwohl die Landesherrschaft schon am 7. Oktober 1722 die Genehmigung zum Bau des erflehten "Capelluleins" erteilte, ließ die Errichtung noch lange auf sich warten. Letzlich wurde im Jahr 1739/40 eine Kapelle im Dorf gebaut. Damals lebten in Lautenbach ca 140 Personen in 27 Familien.
Bereits 1815 wurde dieses "Capellulein" in einem verheerenden Brand, der den größten Teil des Dorfes in Schutt und Asche legte, zerstört. Es dauerte dann bis zum 14.4.1818, bis eine neue Kapelle eingeweiht wurde. Sie fiel deutlich größer aus als ihre Vorgängerin und wurde deshalb nun nicht mehr als Kapelle sondern als Kirche bezeichnet. Es handelte sich dabei - von einigen Renovierungen und dem Anbau der Sakristei abgesehen - um die heutige alte Kirche im Oberdorf. Der Bau wurde von Wendelin Belzer von Weisenbach geplant, dem Vater des bekannten Baumeisters Johann Belzer, der den Neubau der Klingelkapelle in Gernsbach durchgeführt hatte.
Zahlreiche Überlegungen der Pfarrgemeinde sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts überliefert, eine neue Kirche zu bauen, da das Gotteshaus trotz einiger Anbauten wie Sakristei zu klein war. Doch der Erste und der Zweite Weltkrieg haben diese Pläne in den Schubladen verschwinden lassen.
Zwischenzeitlich war die Einwohnerschaft von Lautenbach gestiegen. Bereits 1935 zählte die katholische Bevölkerung 500 Personen, das Kirchlein bot für 150 Personen Sitzplätze.
1953 übernahm die Gemeinde letztlich eine umfassende Renovierung, da der bauliche Zustand „unerfreulich" war, bis die Entscheidung zum Bau einer ganz neuen Kirche an neuem Standort beschlossen war.
Nach Einweihung der „neuen" Kirche wurde die Kapelle in private Hand übergeben und dient seither weltlichen Zwecken.




